{"id":140,"date":"2016-05-01T23:19:50","date_gmt":"2016-05-01T21:19:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.clarinetsociety.ch\/wordpress2015\/it\/?page_id=140"},"modified":"2016-05-15T20:13:07","modified_gmt":"2016-05-15T18:13:07","slug":"presentazioni","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.clarinetsociety.ch\/wordpress2015\/it\/presentazioni\/","title":{"rendered":"Presentazioni"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"entry-title\">H-R. Stalder: Die Schweiz und die Klarinette<\/h1>\n<p><strong>Die Schweiz und die Klarinette \u2013 Die Klarinette und die Schweiz<\/strong><\/p>\n<p>Vortrag von Hans Rudolf Stalder, gehalten am 16. September 2006, anl\u00e4sslich des Schweizerischen Klarinettentages der Swiss Clarinet Society in Winterthur.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte \u00fcber die Klarinette in der Schweiz berichten und zeigen, dass die Schweiz auch einiges zur Geschichte der Klarinette beigetragen hat \u2013 nicht nur den Claripatch, diese interessante Erfindung von Pierre-Andre Taillard zur Ver\u00e4nderung der St\u00e4rke oder Klangqualit\u00e4t eines Klarinettenblattes \u2013 sondern auch z.B. zur Musik f\u00fcr unser Instrument Wichtiges.<\/p>\n<p>Wann die Klarinette in der Schweiz bekannt wurde, ist schwer zu sagen. Sie wurde ja um 1690 und 1700 in N\u00fcrnberg erfunden, aber bereits 1728 wurden in Augsburg zwei Konzerte f\u00fcr Klarinette und Streicher gedruckt, jene von RATHGEBER, und 1732 erschien in Schw\u00e4bisch Hall die erste gedruckte Grifftabelle (in MAYER\u2019s Museum Musicum, in dem die damals gebr\u00e4uchlichen Blasinstrumente und eben auch die Klarinette beschrieben werden). Zwischen 1740 und 1750 entstanden in Karlsruhe die Konzerte von MOLTER. Die Klarinette war also im s\u00fcddeutschen Raum schon gut bekannt und wohl auch schon in der Schweiz. Viele Schweizer leisteten als S\u00f6ldner Dienst an fremden H\u00f6fen, und da brachte vielleicht der eine oder andere das neue Instrument mit nach Hause und spielte darauf neue Tanzweisen. Auf alten Stichen sieht man die Klarinette etwa mit einer oder zwei Violinen und Kontrabass, und auch heute spielt ja die Klarinette in der Volksmusik, besonders der L\u00e4ndlermusik, eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>1756 erliess der Kriegsminister von LOUIS XV in Paris ein Gesetz, nach dem die Musik der Infanterie-Regimente fortan aus Klarinetten, H\u00f6rnern und Fagotten zu bestehen habe, und bereits 1757 finden sich in Bern Klarinetten im ,,Hoboisten- Ensemble\u201c (das ist der Name der Milit\u00e4rmusik, die fr\u00fcher eben aus Oboen, H\u00f6rnern und Fagotten bestand).<\/p>\n<p>1763 empfiehlt sich in Lausanne ein ,,Musiker aus Sachsen\u201c als Lehrer f\u00fcr Cembalo, Fl\u00f6te und Klarinette. Im gleichen Jahr wurde dort Xavier LEF\u00c8VRE geboren. Vielleicht hatte er zuerst bei diesem Musiker Unterricht bevor er nach Paris ging und sich bei dem ber\u00fchmten Michel YOST, dessen Vater ebenfalls aus der Schweiz stammte, weiterbilden liess. LEF\u00c8VRE wurde nicht nur f\u00fcr die Weiterentwicklung der Klarinette wichtig \u2013 (er f\u00fcgte der damals 5-klappigen Klarinette die 6. Klappe, die cis- Klappe bei) von ihm stammt auch eine der wichtigsten Klarinetten-Schulen, und er komponierte Sonaten und Konzerte. Einige Konzerte sind heute auf CD erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p>In Basel spielt 1765 ein ,,Klarinettenvirtuose von einem benachbarten Hofe\u201c (?) ein Konzert mit so grossem Erfolg, dass es zwei Tage sp\u00e4ter wiederholt werden musste. Um 1770 wurde dann in Basel eine Musikschule f\u00fcr Blasinstrumente, besonders Klarinette, errichtet.<\/p>\n<p>Es gab in der Schweiz auch einige ausgezeichnete Klarinettenbauer, wie etwa SCHLEGEL in Basel (er starb 1792) oder SUTTER in Appenzell, von dem eine mit 1788 datierte sehr gute Klarinette erhalten ist, dann die Familie FELCHLIN, von der es verschiedene Klarinetten und auch ein Bassetthorn gibt, und da war auch der innovative und geniale Ulrich AMMANN im Toggenburg (1766-1842), von dem neben anderen Instrumenten eine Kuriosit\u00e4t, eine Wanderstock-Klarinette, erhalten ist, ein wundersch\u00f6nes Instrument. Sie ist heute in Unterwasser, woher Ammann kam, ausgestellt, und ich habe das grosse Vergn\u00fcgen, sie Ihnen zeigen zu k\u00f6nnen und einige T\u00f6ne darauf zu spielen. (1)(2)<\/p>\n<p>Sie sehen, die Klarinette war in der 2. H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts in der Schweiz sehr bekannt und beliebt, nicht nur in der Volksmusik, sondern auch z.B. in der Hausmusik. Das zeigt sehr sch\u00f6n ein Bild auf einer Toggenburger Hausorgel von 1811 (sie ist heute im Landesmuseum). Man sieht eine zu Hause musizierende Familie, die Mutter spielt Harfe, die Kinder Violine, Horn, Triangel und der Vater Klarinette. Und bei Jeremias GOTTHELF berichtet Jacobli in \u201e Der Besuch auf dem Lande\u201c: \u201eIn den kurzen Tagen essen wir um sechs Uhr zu Nacht und machen manchmal sch\u00f6ne Musik, die Mutter kann sch\u00f6ne Gellertlieder, die \u00e4lteste Schwester macht auf dem Klavier, ich Klarinette\u201c.<\/p>\n<p>Im Welschland wirkten ab 1783 immer wieder Klarinettisten bei den \u201e F\u00eates des Vignerons\u201c mit, auch wurden in Kirchen etwa Klarinetten zur Begleitung der Ges\u00e4nge eingesetzt, bis dann Orgeln wieder erlaubt waren.<\/p>\n<p>Ins Orchester kommt die Klarinette erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, in Wien z.B. um 1787. In Basel spielt im Orchester zwischen 1794 und 1799 ein Oboist auch Klarinette. Was f\u00fcr Orchester gab es damals in der Schweiz? Die Schweiz war schon fr\u00fch ein freies Land, es gab keine F\u00fcrsten- oder K\u00f6nigsh\u00f6fe, die sich eine Hofkapelle mit hervorragenden Musikern hielten. In unseren Orchestern spielten fast nur Amateure, nur als Anf\u00fchrer der 1. und 2. Violine wurden Berufsmusiker verpflichtet oder etwa f\u00fcr Instrumente, f\u00fcr die man in den eigenen Reihen keinen Spieler fand. In Z\u00fcrich schlossen sich 1812 zwei Musik-Collegien zu einer neuen Musikgesellschaft, zu einem gr\u00f6sseren Orchester zusammen, und da findet man unter den wenigen bezahlten Musikern als Kuriosum ein Frau: Frau METZGER ,,salarierte 1. Klarinette\u201c. Sie muss sich mit ihrem Instrument in die Herzen der Orchestermitglieder gespielt haben, dass man sie gegen alle Prinzipien ins Orchester aufnahm, denn Orchesterspiel war sonst eine reine M\u00e4nnersache. Sie war die Schwester der sp\u00e4ter ber\u00fchmten Caroline SCHLEICHER-KRAEMER. Vater SCHLEICHER, Fagottist aus S\u00fcddeutschland, war mit seinen beiden Klarinette spielenden T\u00f6chtern seit 1805 in verschiedenen Schweizer St\u00e4dten aufgetreten und scheint auch einige Zeit in Orchesterkonzerten in Z\u00fcrich mitgewirkt zu haben. 1807 spielte er zusammen mit seiner \u00e4lteren Tochter eine Concertante f\u00fcr Klarinette und Fagott von DANZI. Sie verheiratete sich dann, wurde Frau Metzger und blieb in Z\u00fcrich. Bis 1813 spielte sie oft Konzerte von KROMMER, GOEPFERT, CRUSELL, und auch wieder die Concertante von Danzi, jetzt mit einem Z\u00fcrcher Fagottisten. Sie verliess dann Z\u00fcrich, und nun spielten Dilettanten, vor allem zwei Klarinettisten aus einer Familie OTT. Wahrscheinlich hatten sie bei Frau Metzger Unterricht genommen, denn auch sie spielten als Solisten wieder die Konzerte von KROMMER, GOEPFERT, CRUSELL, 1817 wurde sogar ein Konzert von SPOHR gespielt.<\/p>\n<p>Beliebt war in Z\u00fcrich auch das Bassetthorn, man spielte oft das Quintett f\u00fcr Bassetthorn und Streicher von BACKOFEN und die Arie mit obligatem Bassetthorn aus der Oper Titus von MOZART. Die Musikgesellschaft hatte um 1810 ein ausgezeichnetes Bassetthorn von Heinrich GRENSER, Dresden, gekauft. (Das lnstrument blieb \u00fcbrigens erhalten, und vor 25 Jahren erm\u00f6glichte dieses Instrument zusammen mit einem Bassetthorn von GRENSER aus dem lnstrumentenmuseum Basel eine erste Auff\u00fchrung von MOZARTs Requiem mit Originalinstrumenten. Kopien, wie man sie heute spielt, kannte man damals noch nicht. Das war mit HARNONCOURT in Wien, und es entstand auch die erste Schallplattenaufnahme mit historischen Instrumenten. Mit mir spielte Elmar SCHMID.) Auch sonst war das Bassetthorn sehr beliebt, vor allem in der Deutschschweiz, und da liest man im Universal-Lexikon der Tonkunst von SCHILLING, 1835 in Stuttgart erschienen, zum Schluss des ausf\u00fchrlichen Artikels \u00fcber das Bassetthorn: ,,Wir kennen einen Schweizer, der durch das Anh\u00f6ren eines auf dem Bassetthorn vorgetragenen Schweizerliedes das m\u00e4chtigste Heimweh bekam.\u201c<\/p>\n<p>In der Schweiz traten auch immer wieder ber\u00fchmte Klarinettisten auf, so z.B. Joseph BEER 1775 in Genf, Heinrich BAERMANN in Bern und anderen St\u00e4dten (1822), Iwan MULLER . Der Bassetthorn-Virtuose Franz SCHALK wurde in Basel \u201e wegen zu hoher Honorarforderung\u201c zuerst abgewiesen, dann konnte man aber doch nicht widerstehen und arrangierte ein Konzert mit ihm.<\/p>\n<p>Wie waren unsere Orchester zu jener Zeit? Man spielte zwar mit grossem Enthusiasmus, doch die Qualit\u00e4t war schlecht. Louis SPOHR, der ber\u00fchmte Geiger und Komponist, schreibt in seiner Selbstbiographie \u00fcber ein Konzert 1816 in Basel: ,,Da das Orchester mit Ausnahme von 4 oder 5 K\u00fcnstlern nur aus Dilettanten besteht, war das Accompagnement meiner Solo-Piecen besonders von Seiten der Blasinstrumente f\u00fcrchterlich\u201c, und auch \u00fcber die Konzerte in Z\u00fcrich und Bern schreibt er nicht besser, nur in Z\u00fcrich heisst es dann noch: \u201edoch die Einnahmen waren viel brillanter!\u201c<\/p>\n<p>In der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts wurden die Anforderungen im Orchesterspiel immer gr\u00f6sser, und damit kam der Wunsch nach Orchestern mit mehr Berufsmusikern. Richard WAGNER hatte da in seiner Z\u00fcrcher Zeit (1849-1855) neue Massst\u00e4be gesetzt. Nicht nur in Z\u00fcrich sondern auch in andern St\u00e4dten entstanden jetzt Orchester mit Berufsmusikern, vor allem bei den Bl\u00e4sern. Klarinettisten kamen in der Deutschschweiz aus Italien und Deutschland, in der Welschschweiz aus Frankreich, und so blieb es noch bis weit ins letzte Jahrhundert.<\/p>\n<p>Von 1916 bis 1925 spielte z.B. im Orchester in Z\u00fcrich der Italiener Edmondo ALLEGRA. F\u00fcr ihn komponierte Ferruccio BUSONI das Concertino op. 48, das am 9. Dezember 1918 in Z\u00fcrich zur Urauff\u00fchrung kam, und f\u00fcr eine Auff\u00fchrung des Klarinetten-Konzertes von MOZART komponierte BUSONI eine vom Orchester begleitete Kadenz. ALLEGRA spielte auch die Urauff\u00fchrung der ,,Histoire du Soldat\u201c und der drei Solost\u00fccke von STRAVINSKY. Darauf komme ich sp\u00e4ter noch zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Neben ALLEGRA war der aus Th\u00fcringen stammende Emil FANGH\u00c4NEL. Man spielte also Boehm- und deutsche Klarinette nebeneinander, und so war es in allen Orchestern der Deutschschweiz. FANGH\u00c4NEL wurde \u00fcbrigens der Lehrer verschiedener junger Schweizer, denn Klarinettist zu sein wurde nun doch auch ein Beruf f\u00fcr Schweizer, und sie wurden Soloklarinettisten in verschiedenen Orchestern, wie etwa Rolf KUBLI, Hansj\u00fcrg LEUTHOLD, Hans Peter RAAS und ich. Es gab auch andere gute Lehrer und Sch\u00fcler in der Schweiz, und als 1939 zum ersten Male der Internationale Musikwettbewerb in Genf stattfand, wurde bei der Klarinette ein Schweizer der Preistr\u00e4ger, Robert GUGOLZ, der Soloklarinettist im Orchestre de la Suisse Romande wurde. Auch sp\u00e4ter, als man bei diesem Wettbewerb mit viel gr\u00f6sserer internationaler Konkurrenz zu k\u00e4mpfen hatte, gab es Schweizer Preistr\u00e4ger, wie Antony MORF, Thomas FRIEDLI, Fabio di CASOLA. F\u00fcr die Genfer Wettbewerbe wurden \u00fcbrigens Pflichtst\u00fccke komponiert, das bekannteste davon ist sicher das Capriccio von Heinrich SUTERMEISTER, auch das Petit Concert vom Jean BlNET wird noch etwa gespielt.<\/p>\n<p>Viele Schweizer Klarinettisten liessen sich in Paris weiterbilden, z.B. bei dem international bekannten Solisten Louis CAHUZAC, der oft in der Schweiz auftrat, andere arbeiteten etwa mit Jacques LANCELOT oder anderen. Der bekannteste Schweizer Sch\u00fcler von CAHUZAC ist sicher Eduard BRUNNER. Er hatte vorher bei einem Italiener in Basel studiert. BRUNNER, ein international bekannter Solist, hat nicht nur viele CDs mit Werken klassischer Komponisten eingespielt, er ist auch ein Spezialist f\u00fcr neueste Spieltechniken, f\u00fcr ihn wurden viele interessante und schwierige Werke komponiert, von DENISOV, LACHENMANN, lsang YUN, Jean FRANCAIX und vielen andern. BRUNNER war auch viele Jahre Soloklarinettist im Orchester des Bayerischen Rundfunks in M\u00fcnchen \u2013 einem der besten Orchester Deutschlands \u2013 und das mit einer Boehm-Klarinette!<\/p>\n<p>Ein anderer hochgesch\u00e4tzter Spezialist f\u00fcr moderne Musik ist auch Ernesto MOLINARI, viel in Wien t\u00e4tig. Ich k\u00f6nnte noch andere international bekannte Schweizer Klarinettisten erw\u00e4hnen, auch in der \u201eFreien Musikszene\u201c, wie etwa Hans KOCH, Claudio PUNTIN, aber es w\u00fcrde nun zu weit f\u00fchren, und Sie kennen sicher manchen.<\/p>\n<p>Ich will jetzt noch zeigen, was die Schweiz zur Literatur f\u00fcr Klarinette, also zur Musik f\u00fcr unser Instrument beigetragen hat, und da komme ich auf Winterthur zu sprechen. Hier am Konservatorium war der in Z\u00fcrich lebende Komponist und Dirigent Ernst HESS Theorielehrer. (Er lebte von 1912-1968 und ist nicht zu verwechseln mit dem Winterthurer Fagottisten und Komponisten Willy HESS, von dem verschiedene Klarinettenkompositionen erschienen sind.) Ernst HESS war immer auf der Suche nach interessanten unbekannten Werken der Klassik, und da fand er im Kloster Einsiedeln das Bassetthornkonzert von ROLLA, das ich mit ihm und dem Akademischen Orchester Z\u00fcrich 1966 auff\u00fchrte, und bald wurde ich auch f\u00fcr eine Plattenaufnahme gefragt. Das Bassetthorn als Soloinstrument war vorher kaum bekannt.<\/p>\n<p>Ernst HESS war auch ein leidenschaftlicher Mozartforscher. In Winterthur liegt ja das einzige erhaltene Autograph zum Klarinettenkonzert von MOZART. Es ist jene Skizze zum ersten Satz, 199 Takte, hier in G-Dur f\u00fcr eine Klarinette in G, die bis zum tiefen C geht. Doch die letzten Takte sind schon f\u00fcr eine Klarinette in A geschrieben. Man vermutete darum schon lange, dass das Konzert urspr\u00fcnglich f\u00fcr eine Klarinette die bis tief C geht, also eine Bassettklarinette komponiert war, man kannte aber nur die Version f\u00fcr die normale Klarinette, jene des Erstdrucks des Konzertes.<\/p>\n<p>Ernst HESS fand nun in der ,,Allgemeinen Musikalischen Zeitung\u201c von 1802 einen Artikel \u00fcber den Erstdruck des Konzertes. Dort heisst es, dass das Konzert urspr\u00fcnglich f\u00fcr eine Bassettklarinette komponiert sei, und es werden manche Stellen angegeben, die ge\u00e4ndert worden sind. Der Schreiber des Artikels sagt auch, er habe die Originalpartitur vor sich liegen, leider ist sie verloren.<\/p>\n<p>Auf Grund dieses Artikels konnte HESS die Rekonstruktion der urspr\u00fcnglichen Fassung machen. Man hatte zwar schon fr\u00fcher in Prag eine Fassung f\u00fcr Bassettklarinette gemacht und gespielt, aber damals wurde nur vermutet, dass das Konzert f\u00fcr Bassettklarinette geschrieben worden sei, einen Beweis hatte man nicht, und man kannte auch Stellen nicht, die ge\u00e4ndert worden waren, oder wie sie ge\u00e4ndert waren. Die Version von Ernst HESS ist die sp\u00e4ter in der Neuen Mozart-Ausgabe ver\u00f6ffentliche und heute allgemein g\u00fcltige. (Da Ernst Hess schon gestorben war, besorgte Franz GlEGLlNG die Drucklegung.)<\/p>\n<p>HESS hatte mir von der Originalfassung erz\u00e4hlt und sagte, \u201eman m\u00fcsste das mal spielen und h\u00f6ren k\u00f6nnen, doch niemand hat ein solches Instrument\u201c. Ich ging nach Paris zu BUFFET, LEBLANC, und fragte, ob man mir eine Bassettklarinette bauen w\u00fcrde. Doch man schaute mich nur komisch an: ,,Qu\u2019est-ce que vous voulez? On sait bien comment il faut jouer le Concert de Mozart\u201c, es war nichts zu machen. Ich traf dann etwas sp\u00e4ter Rudolf UEBEL, von der Firma UEBEL in Markneukirchen. Er war selber Klarinettist und nun sehr interessiert. Er baute mir eine Bassettklarinette, und im Juni 1968 spielte ich beim Mozartfest in Augsburg zum ersten Mal die neue Version. Ernst HESS hatte das arrangiert. Und da kam nach dem Konzert Helmut M\u00dcLLER-BR\u00dcHL vom K\u00f6lner Kammerorchester und sagte, das m\u00fcssen wir aufnehmen, und so entstand die erste Schallplattenaufnahme und machte die neue Version bekannt. \u00dcbrigens hatte HESS schon fr\u00fcher zwei der Divertimenti von MOZART KV 439b f\u00fcr zwei Klarinetten und Fagott, wie man sie damals kannte, f\u00fcr drei Bassetth\u00f6rner rekonstruiert, und auch da entstand eine fr\u00fche Schallplattenaufnahme, die auf verschiedenen Marken in der Schweiz, in Frankreich und Amerika erschien.<\/p>\n<p>Und nun komme ich noch auf den Winterthurer Werner REINHART zu sprechen. Er lebte von 1884-1951 und stammte aus einer reichen und sehr kunstf\u00f6rdernden Familie. REINHART war Gesch\u00e4ftsmann, aber auch ein guter Klarinettist, der vor allem auch die Bassklarinette und das damals selten gespielte Bassetthorn liebte. Er muss diese Instrumente gut gespielt haben, denn er wurde von besten Dirigenten immer wieder zur Mitwirkung in besonderen Partien in Orchesterkonzerten eingeladen, nicht nur in Winterthur, auch in Z\u00fcrich, Lausanne und andern St\u00e4dten. REINHART hatte durch seine finanzielle Unterst\u00fctzung die Urauff\u00fchrung der \u201eHistoire du Soldat\u201c von STRAVINSKY erm\u00f6glicht, und STRAVINSKY schrieb f\u00fcr ihn als Dank die drei Solost\u00fccke. Der Titel auf dem Autograph lautet: ,,Musique pour clarinette solo, d\u00e9di\u00e9 a Werner Reinhart, Morges, Automne 1918\u2033. Die Urauff\u00fchrung dieser St\u00fccke in Lausanne spielte, wie schon erw\u00e4hnt, Edmondo ALLEGRA aus Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>REINHART, ein Mann von hohem Kunstverst\u00e4ndnis und grosser Bescheidenheit, war mit fast allen wichtigen Komponisten seiner Zeit in Kontakt, sie sch\u00e4tzten ihn sehr, er f\u00f6rderte die Auff\u00fchrung ihrer Werke und unterst\u00fctzte sie finanziell, wenn sie in Not waren, besonders in Kriegszeiten. Arthur HONEGGER widmete REINHART die Sonatine f\u00fcr Klarinette und Klavier (1921), Othmar SCHOECK komponierte f\u00fcr ihn die Sonate f\u00fcr Bassklarinette und Klavier (1927) \u2013 Solowerke f\u00fcr Bassklarinette waren damals noch kaum bekannt \u2013 Ernst KRENEK komponierte zu RElNHARTs 40. Geburtstag die ,,Kleine Suite\u201c f\u00fcr Klarinette und Klavier, Paul HlNDEMlTH widmete ihm das Quintett f\u00fcr Klarinette und Streichquartett, Op. 30, in welchem in einem Satz eine Es-Klarinette verlangt wird. F\u00fcr die Urauff\u00fchrung in Salzburg am 7. August 1923 besorgte REINHART f\u00fcr den Klarinettisten Philipp DREISBACH aus Stuttgart eine Es-Klarinette und schenkte ihm sp\u00e4ter noch ein besseres Instrument.<\/p>\n<p>Wir verdanken also Werner REINHART interessante und wichtige Werke f\u00fcr unser Instrument, und zu erw\u00e4hnen w\u00e4ren auch noch die Suite f\u00fcr Bassklarinette solo von Adolf BUSCH, ein Quartett f\u00fcr Bassetthorn und Streicher von Ernst HESS sowie ,,Sieben Studien\u201c f\u00fcr die gleiche Besetzung von Albert MOESCHINGER.<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcber Ammann, den Toggenburger Musikinstrumentenmacher, gibt es eine interessante Schrift. Sie ist zu beziehen bei Peter Kressig, Schulhaus, CH-9657 Unterwasser<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H-R. Stalder: Die Schweiz und die Klarinette Die Schweiz und die Klarinette \u2013 Die Klarinette und die Schweiz Vortrag von Hans Rudolf Stalder, gehalten am 16. 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